Mittwoch, 1. März 2017

Der giftige Graubereich

Paul Schreyer auf Telepolis:

Geschlossene Leserforen bei Spiegel Online

Google will mit einem Programm "das Gift aus Kommentarspalten saugen" (Spiegel)
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Einige der Ergebnisse: Artikel mit dem Keyword "Syrien" ließen sich vor zwei Jahren noch zu gut 70 Prozent kommentieren. Mit Beginn des deutschen Kriegseintritts in Syrien Ende 2015 fiel dieser Wert jedoch rapide. Seither aktiviert SPON nur noch bei etwa 30 Prozent der Texte ein Leserforum.
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Öffentliche Leserdebatten zum Syrienkrieg wurden also massiv eingeschränkt - und das zu einem Zeitpunkt, da das Interesse daran besonders groß war. Man darf fragen: Was soll das? Wessen Interessen dient diese breite Abschaltung von Leserdebatten?
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Keine Antwort gab es auch auf die Frage, wie man bei SPON den Begriff "Hate Speech" überhaupt definiere. Der Terminus ist in Mode gekommen und ebenso wie bei "Fake News" - oder beim Klassiker "Verschwörungstheorie" - fehlen die klaren Kriterien für eine Abgrenzung zur legitimen Polemik bzw. zur Meinung oder Kritik.

Die Unschärfe, der Graubereich, scheint gewollt zu sein. Denn de facto werden diese Begriffe benutzt, um unerwünschte Äußerungen pauschal abzuwerten. Wer "Fake News", "Verschwörungstheorie" oder "Hate Speech" sagt, der möchte Texte löschen oder zumindest mit dem Makel des Anstößigen versehen - ob zurecht oder nicht, sei dabei dahingestellt.
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Der Ansatz läuft mehr oder weniger auf das maschinelle Ausfiltern unerwünschter Worte hinaus. Google hat ein entsprechendes Programm schon entwickelt, welches nun angeblich "das Gift aus Kommentarspalten saugen" soll, wie aktuell berichtet wird. Bei der New York Times ist es bereits im Einsatz, auch andere Medien sollen es kostenlos nutzen dürfen. Google testet diese Software namens "Perspective" zur Zeit. Auf der Produkt-Webseite kann jeder Internetnutzer zur Probe eigene Kommentare eingeben und sich deren "Giftigkeit" anzeigen lassen.