Freitag, 2. Juni 2017

Tiefgründige Kritik gegen Erbsenzählerei

Jens Berger auf den NachDenkSeiten:

Kollektives Medienversagen oder Übertreibung?

Auch der Medienjournalist Stefan Niggemeier liest offenbar die NachDenkSeiten. In einem gestern veröffentlichten Artikel kritisierte er meinen Kommentar zum medialen Desinteresse über die Privatisierung der Autobahnen scharf. Niggemeier will von einem Versagen der Medien nichts wissen und belegt dies dadurch, dass er zahlreiche – zum größten Teil ältere – Artikel herauskramt, die sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzen. Den zentralen Kritikpunkt meines Kommentars, auf den sich die Aussage vom „kollektiven Medienversagen“ bezieht, wischt er jedoch mit einer Randbemerkung weg. Aber machen Sie sich doch selbst ein Bild.

Hand auf´s Herz – können Sie sich an Artikel oder Radio-/TV-Beiträge erinnern, die in dieser Woche im Vorfeld der Bundestagsdebatte darauf hingewiesen haben, dass gestern der Grundstein für eine weitreichende Privatisierung der bundeseigenen Infrastruktur gelegt wurde? Fand im Vorfeld dieser Entscheidung eine ernsthafte Debatte in den Medien statt?
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Welche Macht die Medien vor allem durch ihre Fähigkeit, Debatten loszutreten, haben, ist doch allgemein bekannt. Gerade ein Medienjournalist sollte doch mit dem Begriff „Agenda Setting“ etwas anfangen können.
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Wir haben es hier offenbar mit einem Vorgang zu tun, den der Medienforscher Walter Lippmann als „Gatekeeper-Effekt“ bezeichnet hat und der in etwa besagt, dass eine der Aufgaben des Journalismus darin besteht, als „Türsteher“ zu entscheiden, welche Informationen reinkommen und welche draußen bleiben. Die „Türsteher“ der Leitmedien haben – mit ganz wenigen Ausnahmen – in dieser Woche Meldungen, Kommentare und Debattenbeiträge zur Grundgesetzänderung ganz offensichtlich nicht durch die Eingangspforte gelassen. Und daran ändert der Umstand, dass beispielsweise die ZEIT im März schon einmal kritisch über das Thema berichtet hat, gar nichts.